Was macht eigentlich der Scharlachrote Feuerkäfer übers Jahr?
Frisch herausgeputzt für den Frühling
Im Mai, wenn die kalten Tage endgültig vorüber sind, schlüpfen die neuen Feuerkäfer aus ihrer Puppenhülle. Zu Beginn sind sie noch ganz blass. Milchig weiß sehen sie aus. Erst nach ein paar Stunden haben sie ihre wunderschöne, tiefrote Farbe angenommen.
Der Scharlachrote Feuerkäfer (Pyrochroa coccinea) trägt seine leuchtenden Farben nur auf seinem Brustschild und den Flügeldecken. Alles andere – Kopf, Fühler, Bauch, Beine und Po – sind tiefschwarz.

Rot zur Abschreckung: Ein kräftiges Rot signalisiert in der Natur oft Gefahr oder Giftigkeit. Der Feuerkäfer jedoch tut bloß gefährlich. Er ist eigentlich ganz harmlos. (Foto: Vier Fährten)
Mit Duftstoffen auf Partnersuche
Zwischen Mai und Juli fliegen die Feuerkäfer umher und suchen sich einen Artgenossen für die Paarung. Der Geruch spielt dabei eine entscheidende Rolle: Die Weibchen sondern ein Pheromon ab, einen Duftstoff, um die Männchen anzulocken. Die Männchen ihrerseits haben ein besonderes Düftchen dabei, um die Mädels zu beeindrucken: das Cantharidin.
Cantharidin ist ein Gift, das die Männchen selbst nicht herstellen können, für die Paarung aber als Balzgeschenk übergeben müssen – sonst interessiert sich kein Weibchen für sie! Deshalb halten sie vorher Ausschau nach Ölkäfern.
Diese schwerfälligen und flugunfähigen Käferriesen sondern ein gelbes Öltröpfchen ab, wenn sie sich bedroht fühlen. Die Feuerkäfer-Männchen warten auf den richtigen Augenblick und nehmen das Töpfchen auf.

Schwarzblauer Ölkäfer (Meloe proscarabaeus): Vor allem im Mai krabbeln die "Maiwürmer" am Boden entlang. Die Weibchen haben einen enormen Hinterleib, in dem sie tausende Eier ausbilden. (Foto: Vier Fährten)
Vor der Paarung schnuppern die Feuerkäfer-Weibchen sehr genau an den Männchen, um herauszufinden, wer eine gute Portion Cantharidin dabei hat. Sind sie zufrieden mit dem Geruch, stimmen sie der Paarung zu. Dabei übergeben die Männchen den Weibchen die Gifttröpfchen.
Gut geschützter Nachwuchs
Die Weibchen ummanteln ihre Eier anschießend mit dem Cantharidin, um sie unattraktiv für Fressfeinde zu machen. Danach legen sie mehrere hundert Stück unter die Rinde abgestorbener Bäume. Haben Männchen und Weibchen für die nächste Generation gesorgt, sterben sie ab. Als Käfer haben sie dann gerade mal ein paar Wochen gelebt.
Aus den Eiern schlüpfen die Larven. Sie gehen sofort auf die Jagd nach kleineren Insekten und anderen Käferlarven. Besonders lecker finden sie Borkenkäferlarven und sind deshalb in Nadelwäldern gern gesehen.
Die Larven bleiben ihr ganzes Leben im Holz, denn dort sind sie gut geschützt vor hungrigen Vogelschnäbeln. Gehen ihnen allerdings die Leckerbissen aus, fressen sie sich auch mal gegenseitig, um zu überleben. Insgesamt dauert ihre Entwicklung zwei bis drei Jahre. In dieser Zeit häuten sie sich regelmäßig, um zu wachsen.

Platt, aber oho: Feuerkäferlarven sind recht flach mit einem breiten Kopf und zwei kräftigen Dornen am Hinterteil. Sie werden bis zu 3,5 Zentimeter groß. (Foto: Vier Fährten)
Eine neue Generation schlüpft
Im April häuten sich die ältesten Feuerkäferlarven ein letztes Mal. Nun sind sie in ihrer Puppenhülle, in der die Umgestaltung zum Käfer abläuft. Etwa zwei Wochen dauert die Verwandlung. Dann platzt die Hülle auf und der milchig weiße, erwachsene Feuerkäfer schält sich heraus. Anfang Mai starten sie dann in den Wald, um sich einen Partner zu suchen.

Leckermäulchen: Die erwachsenen Feuerkäfer trinken süßen Pflanzensaft, den Honigtau der Blattläuse und knabbern Blütenpollen. (Foto: Vier Fährten)
Männchen und Weibchen unterscheiden
Wer genau hinschaut, kann die beiden Geschlechter an den Fühlern erkennen: Die Männchen haben "gekämmte" Fühler, die Weibchen "gesägte" – sie erinnern also entweder an einen langzähnigen Kamm oder an eine kurzzackige Säge.
Übrigens: Nah und nicht verwandt
Neben dem Scharlachroten Feuerkäfer fliegt hierzulande auch noch der Rotköpfige Feuerkäfer (Pyrochroa serraticornis) umher. Sein Name ist Programm: Er unterscheidet sich vom Scharlachroten Feuerkäfer durch seinen roten Kopf. Ansonsten sind sie sich in ihrer Lebensweise sehr ähnlich.
Die → Gemeine Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus), die fälschlicherweise auch gern "Feuerkäfer" genannt wird, ist mit dem Scharlachroten Feuerkäfer nicht verwandt. Sie zählt, wie ihr Name sagt, zu den Wanzen.

Rotköpfiger Feuerkäfer: Mit 10 bis 14 Millimetern etwas kleiner als sein Verwandter. (Foto: Alastair Rae auf Wikipedia)