Was macht eigentlich der Schwarze Kiefernprachtkäfer übers Jahr?
Als Käfer im Sommer aktiv
Der Schwarze Kiefernprachtkäfer (Melanophila acuminata) ist ein ganz besonderer Käfer in unseren mitteleuropäischen Wäldern, denn er hat eine ungewöhnliche Leidenschaft: das Feuer. Er liebt es nicht nur, er braucht es sogar. Zwischen Juni und Oktober fliegen die erwachsenen Käfer umher und warten auf einen Waldbrand, um sich fortzupflanzen.

Klein und unauffällig: Der Schwarzer Kiefernprachtkäfer wird gerade einmal 8 bis 11 Millimeter groß. Er ist einheitlich schwarz, hat einen großen Kopf mit auffälligen Augen und ein spitz zulaufendes Hinterteil. (Foto: AG Prof. Schmitz auf Wikipedia)
Schnurstracks auf das Feuer zu
Der Schwarze Kiefernprachtkäfer ist darauf spezialisiert, einen Brand wahrzunehmen. Mit seinen Fühlern kann er Rauch riechen. Mit seinen Beinen kann er die Hitze des Feuers spüren.
2008 fanden deutsche Wissenschaftler*innen heraus, wie die an den mittleren Beinen sitzenden sogenannten "Grubenorgane" funktionieren. Ein Grubenorgan ist eine Art winziger Behälter, der mit einem hundertmilliardstel Milliliter Wasser gefüllt ist. Darauf sitzt ein feines Härchen.
Sobald irgendwo ein Brand ausbricht, dehnt sich das Wasser im Grubenorgan aufgrund der Wärme (Infrarotstrahlung) aus – so ähnlich wie Wasser, das in einem Wasserkocher erhitzt wird. Dadurch entsteht Druck, der das Härchen aufrichtet.
Das spürt unser kleiner Kiefernprachtkäfer und macht sich schnurstracks auf den Weg. Denn wo es heiß ist, knackt und knistert, wartet ein Partner auf ihn. Die kleinen Käferlein paaren sich direkt auf dem verkohlten, oft noch heißen Holz. Anschließend legt das Weibchen seine Eier unter die Rinde der verbrannten Bäume.

Ungelöstes Rätsel: Über welche Entfernungen ein Schwarzer Kiefernprachtkäfer das Feuer wahrnehmen kann, ist noch nicht genau erforscht. Derzeit geht die Wissenschaft von mindestens 10, möglicherweise jedoch von bis zu 80 Kilometern aus. (Foto: Ylvers auf Pixabay)
Larven-Leibspeise: Verkohltes Holz
Aus den Eiern schlüpfen nach kurzer Zeit die Larven: kleine Vielfraße mit bemerkenswert breitem Kopf und schmalem Körper. Sie bohren sich in das verkohlte Holz hinein, mit dem sie sich den Bauch vollschlagen. Auch die nährstoffreiche Bastschicht direkt unter der Rinde schmeckt ihnen ausgesprochen gut.
Damit hat der Schwarze Kiefernprachtkäfer eine beeindruckende ökologische Nische besetzt. Während alle anderen Tiere noch flüchten, ist er schon dabei, den neuen Lebensraum zu besiedeln. Seine Larven können also ganz ungestört heranwachsen.
Etwa ein bis drei Jahre dauert ihre Entwicklung. Danach verpuppen sie sich im Holz und ruhen dort mehrere Wochen gut geschützt. Ist ihre Umgestaltung in der Puppe abgeschlossen, klettern sie als fertige Käfer aus dem verkohlten Holz heraus und fliegen los, um einen Waldbrand zu finden.

Auf und ab: Der Bestand des Schwarzen Kiefernprachtkäfers schwankt stark, weil er von Waldbränden abhängt. Es gibt Jahre, in denen scheint der Käfer beinahe ausgestorben. Doch nach einem Brand breitet er sich wieder sprunghaft aus. Das Rote-Liste-Zentrum führt ihn in Deutschland als „stark gefährdet“. (Foto: Gilles San Martin auf Wikipedia)
Lieblingsbäume: Kiefern aller Art und mehr
Wie sein Name schon verrät, hat sich der Schwarze Kiefernprachtkäfer auf Kiefern spezialisiert. Er legt seine Eier besonders häufig an Waldkiefern und → Schwarzkiefern ab, aber auch andere Nadelbäume wie Fichten, Tannen und Lärchen sind geeignete Kinderstuben.
Seine Larven entwickeln sich nur in totem und verbranntem Holz. In vitalen Kiefern können sie wegen des Harzes nicht überleben.

Begehrte Kinderstube: Der Schwarze Kiefernprachtkäfer legt seine Eier in zum Teil noch brennendem Holz ab. (Foto: manfredrichter auf Pixabay)
Übrigens: Unbeliebte Verwandtschaft
Die Familie der Kiefernprachtkäfer ist groß. Besonders unbeliebt ist unter Forstleuten der Blaue Kiefernprachtkäfer (Phaenops cyanea), ein Verwandter unseres kleinen Feuerteufels. Der Blaue Kieferprachtkäfer legt seine Eier in noch lebende Bäume an sonnigen Waldrändern. Allerdings sucht er sich Kiefern aus, die bereits durch andere Insekten oder durch Trockenheit geschwächt sind. In den meisten Fällen stirbt der Wirtsbaum des Blauen Kiefernprachtkäfers nach einem Befall ab.
In einem Mischwald ist das sogar von Vorteil: Es bleiben nur die gesunden Bäume stehen und das neue Totholz bietet frischen Lebensraum für andere Insekten. In einer Monokultur und in Zeiten des Klimawandels führt das jedoch schnell zu einer Katastrophe. Denn fällt eine am Waldrand stehende Kiefer um, verschiebt sich die Außengrenze weiter in den Wald hinein. Eine neue Kiefer ist nun der Witterung ausgesetzt. Oft benötigen diese Bäume ein paar Jahre, um sich an die neuen Bedingungen zu gewöhnen. Doch die haben sie wegen des Klimawandels nicht mehr, denn durch den ausbleibenden Regen können sie nicht genug Harz zur Abwehr eindringender Insekten bilden.
Den Larven des Blauen Kiefernprachtkäfers hingegen kommen die höheren Temperaturen zugute. Sie entwickeln sich viel schneller und können in kürzeren Abständen neue Generationen bilden. Die zahlreiche Nachkommenschaft findet folglich nach dem Schlupf beste Bedingungen vor: einen Waldrand überrumpelter Kiefern, auf die sie sich stürzen. Können sich die Bäume nicht erholen, kann innerhalb weniger Jahre ein ganzer Wald verschwinden, ähnlich wie wir es vom Borkenkäfer kennen.

In Kiefermonokulturen ein Schädling: Die Larven des Blauen Kieferprachtkäfers (Phaenops cyanea) benötigen normalerweise zwei Jahre für die Entwicklung – durch die heißen Sommer aber mittlerweile nur noch eins. (Foto: Lukas Jonaitis auf Wikipedia)
Zum Weiterforschen
- Mikrotechnologische Infrarotsensoren nach dem Vorbild des schwarzen Kiefernprachtkäfers, Jürgen Bertling YouTube
- Käfer hört, wenn es brennt, Universität Bonn
- Käfer als Feuermelder, Deutschlandfunk
- Waldbrände und Klimawandel, WWF Jugend