Was macht eigentlich der Feuersalamander übers Jahr?
Ab ins Winterquartier!
Anfang November, wenn die Nächte frostig werden, zieht sich der Feuersalamander (Salamandra salamandra) in sein Winterquartier zurück. Langsam und gemütlich kriecht er in Erdspalten, versteckt sich in morschen Baumstümpfen oder klettert in unterirdische Höhlen. Dort wartet er auf das nächste "Salamanderwetter": etwa 10 Grad Celsius und feiner Nieselregen. So mag er es am liebsten.

Manchmal auch im Winter unterwegs: Feuersalamander können sich auch noch bei minus 5 Grad Celsius bewegen. Nur der Schnee ist etwas hinderlich. Im Sommer verstecken sie sich tagsüber unter Totholz, Steinen oder im kühlen Waldboden. (Foto: Hans auf Pixabay)
Im Regen auf Partnersuche
Mitte Februar erwacht der Feuersalamander aus seiner Winterstarre. Nachdem die Männchen an die Oberfläche geklettert sind, halten sie ihre Näschen schnuppernd in den Wind. Sie nehmen die Duftspuren der Weibchen auf, um eine Partnerin zu finden.
Die gefleckten Schwanzlurche paaren sich – untypisch für Amphibien – an Land. Dafür legt das Männchen ein kleines Samenpaket ab, das das Weibchen mit seiner Kloake aufnimmt.

Im Klammergriff: Nicht nur der Feuersalamander ist im Frühling auf Partnersuche. Auch seine Amphibien-Kollegen, die Erdkröten. Ein Krötenmännchen im Liebesrausch kann einem Feuersalamander da manchmal ziemlich lästig werden... (Foto: Pixabay)
Neun Monate bis zum Nachwuchs
Die Eier entwickeln sich anschließend im Körper des Weibchens und nicht wie bei vielen anderen Amphibien direkt im Wasser. Das dauert ganze neun Monate – genau wie bei uns Menschen!
Danach bringt das Salamanderweibchen bis zu 200 Jungtiere zur Welt, indem es sie an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen in sauerstoffreiche Bäche, Quellbereiche oder Tümpel setzt. Die kleinen Larven besitzen noch Kiemenbüschel, um unter Wasser atmen zu können. Ab ihrer Geburt sind sie sofort selbstständig.
Fressen und gefressen werden
Die kleinen Salamanderkinder stürzen sich sofort hungrig auf Bachflohkrebse und Insektenlarven. Doch sie müssen sich auch selbst in Acht nehmen: Räuberische Libellenlarven haben die kleinen Lurche zum Fressen gern.
Die erwachsenen Feuersalamander lassen sich dagegen an Land Regenwürmer, Spinnen und besonders Nacktschnecken schmecken.

Kurzes Leben im Wasser, langes Leben an Land: Die Larven verbringen etwa vier bis fünf Monate im Wasser, bevor sie an Land gehen. Feuersalamander können bis zu 20 Jahre alt werden, im Terrarium sogar bis zu 50 Jahre. Ihre typische Zeichnung bekommen sie erst, wenn sie ausgewachsen sind. (Foto: Wilhelm Schrott auf Wikipedia)
Abschreckung mit der Warnweste des Waldes
Das auffällige Schwarz-Gelb des Feuersalamanders ist kein Zufall. Seine leuchtenden Farben dienen als Warnsignal für mögliche Fressfeinde: „Achtung, ich bin giftig! Lass mich am besten in Ruhe!“
Denn der Feuersalamander ist ausgesprochen wehrhaft. In seinen Hautdrüsen auf Nacken und Rücken produziert er ein hochwirksames Nervengift. Gerät er in Lebensgefahr, weil ihn zum Beispiel ein anderes Tier mit den Zähnen packt, kann er das Sekret sogar einen Meter weit verspritzen!

Einzigartige Musterung: Jeder Feuersalamander trägt eine individuelle Zeichnung. Manche sind ganz schwarz, andere sehr gelb. Dazu gibt es Punkte, Streifen oder Flecken. (Foto: Edgar Winkler auf Pixabay)
Auf der Vorwarnliste
Auch wenn sich der kleine Feuersalamander gut verteidigen kann, gibt es doch zwei Feinde, die ihm schwer zu schaffen machen: der Mensch und Bsal.
Durch uns Menschen ist der Feuersalamander in seinem Lebensraum bedroht. Wir verändern natürliche Bachläufe, unterbrechen mit Straßen seine Wanderrouten und stellen ihm unbeabsichtigt Fallen. Die behäbigen Salamander finden immer weniger Gewässer für ihre Kinderstuben, sterben unter Autoreifen oder verenden langsam in Abflüssen oder Luftschächten. Dazu kommt der Klimawandel, der seine Lebensräume austrocknet und selbst im Wald zu salamanderfeindlichen Temperaturen führt.
Bsal ist ein aus Asien eingeschleppter Hautpilz. Batrachochytrium salamandrivorans, auch "Salamanderfresser" oder "Salamanderpest" genannt, tauchte 2013 erstmals in den Niederlanden auf und wurde bereits 2015 in Westdeutschland nachgewiesen. Während asiatische Amphibien mit Bsal leben können, raffte der Pilz hierzulande ganze Populationen dahin. Da Salamander nicht nur über die Lunge, sondern auch über die Haut atmen, ersticken infizierte Tiere an einer Infektion. In den betroffenen Regionen wurden umgehend Schutz- und Hygienemaßnahmen ergriffen, um die Verbreitung einzudämmen.
Deshalb zählt der Feuersalamander heute zu den bedrohten Tierarten und steht unter besonderem Schutz.

Pilzinfektion: Bsal überzieht die Haut des Feuersalamanders mit braunen Ringen. Auf den gelben Flecken sind sie besonders gut zu erkennen. Findest du ein infiziertes Tier, solltest du es melden. In Sachsen geht das beim BUND Landesverband. (Foto: F. Pasmans auf Wikipedia)
Übrigens: Woher hat der Feuersalamander seinen Namen?
Der Feuersalamander ist schon seit der Antike, also seit ca. 2.000 Jahren bekannt. Allerdings festigte sich erst tausend Jahre später im Mittelalter der Glauben an seine Verbindung zum Feuer: Damals beobachteten die Menschen, wie aus feuchten Holzscheiten, die sie ins Feuer geworfen hatten, die Salamander herauskletterten. Die kleinen Tiere flohen vor der Hitze, aber für die Menschen sah es so aus, als würden sie direkt den Flammen entsteigen. Dieser Irrglaube entwickelte sich soweit, dass die Salamander sogar aktiv in brennende Häuser geworfen wurden, um das Feuer zu löschen. Zum Glück wissen wir es heute besser! Doch seinen Namen hat der kleine Kerl trotzdem behalten.

Lange Zeit ein Rätsel: Weil der Feuersalamander nachtaktiv ist, lässt er sich nur schwierig erforschen. Das begünstigte vor allem im Mittelalter wilde Gerüchte und Fantasievorstellungen. (Foto: danielbahrmann auf Pixabay)
Häufige Fragen
Ist der Feuersalamander giftig?
In den Ohrdrüsen, die als kleine schwarze Punkte auf den typischen gelben Flecken zu sehen sind, produziert der Feuersalamander ein giftiges Sekret. Dieser Abwehrstoff besteht aus sogenannten Salamander-Alkaloiden, unter anderem dem Salamandrin, welche zu den Nervengiften gehören.
Dieses Sekret verteilt der Feuersalamander über seine Haut, um sich vor Viren und Bakterien zu schützen. Wenn er sich bedroht fühlt, kann er es aktiv versprühen.
Für Fressfeinde ist das Gift zum Teil tödlich. Gelangt es über die Schleimhäute oder den Magen in den Körper, führt es zu erhöhtem Blutdruck, Atemlähmung, Maulsperre und Genickstarre. Zeigen Hunde oder Katzen solche Symptome, müssen sie sofort zum Tierarzt.
Für Menschen ist das Gift nicht tödlich. Bei Kontakt mit der Haut entsteht häufig ein leichtes Brennen. Bei empfindlichen Personen können Übelkeit und Erbrechen hinzukommen, manchmal auch Atemprobleme. Kleine Kinder sind stärker gefährdet, weil sie ihre Hände noch häufig zum Mund führen, sodass das Gift die Schleimhäute reizen kann.
Warum sollte man den Feuersalamander melden?
Lebende Feuersalamander zu melden, unterstützt das Monitoring und liefert wichtige Hinweise zur Verbreitung und Häufigkeit der Lurche.
Vor allem tote Feuersalamander sollte man mit Foto melden, um die Ausbreitung von Bsal zu dokumentieren. In Sachsen geht das beim BUND Landesverband.
Was ist Bsal, die Salamanderpest bzw. der Salamanderfresser?
Batrachochytrium salamandrivorans, kurz Bsal, ist ein für Salamander tödlicher Hautpilz aus Asien, der 2013 in den Niederlanden eingeschleppt und 2015 erstmals in Deutschland nachgewiesen wurde. Beginnend in Westdeutschland verursachte er ein Feuersalamander-Massensterben. Die Beinamen "Salamanderfresser" und "Salamanderpest" beschreiben bildhaft, welchen Schaden er in unseren mitteleuropäischen Ökosystemen anrichtet. Aus einigen Regionen ist der Feuersalamander bereits ganz verschwunden.
Sind Feuersalamander selten?
In Deutschland ist der Feuersalamander vor allem in den Mittelgebirgen verbreitet. Er liebt strukturreiche Wälder mit naturnahen Gewässern. Da er nachtaktiv ist und sich tagsüber versteckt hält, lässt er sich nur selten blicken.
Bis 2015 war der Feuersalamander nicht gefährdet. Doch mit dem Bsal-Pilz brach sein Bestand so stark ein, sodass er mittlerweile vom Rote Liste Zentrum auf der Vorwarnliste geführt wird.
Darf man einen Feuersalamander anfassen?
Man sollte den Feuersalamander aus zwei Gründen nicht berühren: Zum einen, kann sein Abwehrsekret die menschliche Haut reizen. Zum anderen, übertragen wir Bakterienkulturen, die auf unserer Haut leben und ihm schaden können. Wer auf einem Spaziergang mehrere Feuersalamander berührt, riskiert außerdem, den für Salamander tödlichen Bsal-Pilz zu verbreiten und gesunde Tiere zu infizieren.