Vier-Fährten-Logo
VF
Vier Fährten
Wildnisschule in Leipzig

Was ist eigentlich die Rußrindenkrankheit?

Was ist eigentlich die Rußrindenkrankheit?
Profilbild von Elisa
geschrieben von
Elisa
Nur noch bis 24.9.: Jetzt Platz sichern im Räuber-Abenteuer in Leipzig!
Tritt unserer wilden Bande bei: Räubermesser schnitzen, verstecken, schleichen und eine Schatzkiste erobern. Kids 8-12 Jahre.
Versteckt!
Zur Anmeldung

Aus Nordamerika eingeschleppt

Hinter der Rußrindenkrankheit steckt ein Schlauchpilz mit dem lateinischen Namen Cryptostroma corticale. Ursprünglich im Gebiet der Großen Seen in Nordamerika beheimatet, wurde er um die Jahrhundertwende durch den internationalen Holzhandel nach Europa eingeschleppt. 1945 zeigte sich die Rußrindenkrankheit erstmals in London, seit 2005 breitet sie sich auch in Deutschland unaufhaltsam aus.

Betroffen sind ausschließlich Ahornbäume, insbesondere der Bergahorn (Acer pseudoplatanus). 

Bergahorn Blatt

Bergahorn (Acer pseudoplatanus): Diese Ahornart ist besonders betroffen. Aber auch Spitzahorn (Acer platanoides) und Feldahorn (Acer campestre) rafft der Pilz dahin. (Foto: Vier Fährten)

Warten auf heiße Jahre

Die feinen Pilzsporen lassen sich mit dem Wind zu neuen Wirtsbäumen tragen. Über winzige Verletzungen in der Rinde gelangen sie in das Innere des Baums. Sie dringen bis ins Kernholz vor, das normalerweise für die Abwehr sämtlicher Pilze sorgt. Dort können sie jahrelang ruhen, ohne ihren Wirtsbaum zu beeinträchtigen.

Querschnitt Baumstamm

Jede Holzschicht hat ihre Aufgabe: Das Mark speichert Nährstoffe. Das Kernholz sorgt für Stabilität. Das Splintholz transportiert Wasser zur Baumkrone. Im Kambium wachsen neue Jahresringe. Die Bastschicht transportiert Nährstoffe aus der Krone zu den Wurzeln. Die Rinde schützt den Baum. (Grafik: Vier Fährten)

Wie Ruß unter der Rinde

Erlebt der Ahorn ein Hitzejahr und bekommt zu wenig Wasser, erwacht der Rußrindenpilz zum Leben: Er beginnt, explosionsartig zu wachsen. Seine Fäden durchziehen den gesamten Stamm und zerstören dabei die Wasserleitbahnen. Erste Anzeichen dafür sind welke Blätter, später sterben ganze Kronenbereiche ab.

Erreichen die Pilzfäden die Rinde, platzt diese in großen Längsrissen auf und blättert ab. Darunter kommt die dicke, schwarze Schicht zum Vorschein, die der Krankheit ihren Namen gibt: der "Ruß". Diese Rußschicht ist die Pilzblüte. In ihr werden Unmengen an neuen Sporen produziert, die darauf warten, vom Wind zu neuen Wirtsbäumen getragen zu werden.

Abgefärbte Sporen

Wie im Ofen: Ist der Ruß frisch, färbt er ab. Berührt man eine der aufgeplatzten Stellen, werden die Hände schwarz. Der Ruß dringt sogar durch die Rinde hindurch nach außen. (Bild: YouTube Video "Rußrinde" von ARB-IT, 1:17)

Eine winzige Säulenhalle für die Sporen

Die Rußschicht ist das sogenannte Stroma des Pilzes, ein dichtes Geflecht aus Pilzfäden, in denen er sich ungeschlechtlich fortpflanzt. Das Stroma hat einen interessanten Aufbau, denn es ähnelt einer säulengetragenen Halle: Es gibt ein Bodenstroma am Holz und ein Dachstroma unter der Rinde. Dazwischen wachsen zarte Säulen aus Pilzfäden, die etwas mehr als einen Millimeter lang werden können. Unter dem Mikroskop betrachtet sieht dieser Raum wie die Säulenhalle einer Krypta aus und hat dem Pilz seinen lateinischen Namen geben: Cryptostroma.

Das Bodenstroma bildet in diesen Zwischenraum hinein die neuen Sporen aus, während das Dachstroma Stück für Stück zerfällt. Sobald es verschwunden ist, gelangen die Sporen in den Wind.

Krypta

Krypta: Eine Krypta ist ein besonderer Raum in einer christlichen Kirche, der sich unter dem Altar befindet und in dem die Steingräber der Heiligen stehen. (Foto: Krypta des Freisinger Doms in Bayern, Wikipedia)

Abstand halten vom Ruß

In der Rußschicht bildet der Pilz sehr viele Sporen aus. Sind sie reif, werden sie millionenfach von Wind und Regen verbreitet. Dabei können sie sogar unsere Gesundheit beeinträchtigen: Die frischen Sporen reizen die Atemwege und rufen grippeartige Symptome hervor wie Reizhusten, Fieber oder Schüttelfrost. Eine Behandlung ist allerdings nicht notwendig, da die Beschwerden nach spätestens vierzehn Tagen von allein wieder abklingen.

Gefährdet sind vor allem Berufsgruppen, die im Wald arbeiten. Solange man beim Spazierengehen nicht auf betroffene Bäume klettert oder darunter ein Picknick macht, sind erkrankte Ahornbäume nicht weiter gefährlich.

Ahornstamm im Querschnitt

Schwarze Schlieren im Holz: Im Totholz sind die Rückstände der Rußrinde deutlich zu erkennen. Schwarzes Holz, das nicht mehr abfärbt, ist unbedenklich. (Foto: Vier Fährten)

Übrigens: Wie du Ahornbäume schützen kannst

Derzeit gibt es kein Mittel, um die Rußrindenkrankheit einzudämmen oder gar zu bekämpfen. Trotzdem kannst du etwas für die Gesundheit der Ahornbäume tun, vor allem wenn sie in deinem Garten oder vor deinem Haus wachsen: Gieße sie.

Denn die Rußrinde profitiert davon, dass die Sommer durch den Klimawandel immer heißer und trockener werden. Sie entwickelt sich, wenn der Baum zu wenig Wasser bekommt und deswegen unter Trockenstress leidet. Ein gut gewässerter Boden ist die beste Vorsorge. Vor allem jüngere Bäume, deren Wurzelwerk noch nicht tief genug in den Boden reicht, um den Baum in trocken Zeiten mit genügend Wasser zu versorgen, erkranken an der Rußrinde. Alte Bäume hingegen trotzen dem Pilz sehr geduldig.

Toter Ahorn

Immer tödlich für den Baum: Ist die Rußrindenkrankheit aktiv, kann sie einen Ahorn innerhalb eines Sommers zum Absterben bringen. Im Leipziger Auwald kam das vor allem in den Hitzejahren zwischen 2019 und 2022 vor. Jetzt, ein paar Jahre später, sehen diese Bäume aus wie weiße Gespenster. (Foto: Vier Fährten)

Du bist neugierig geworden und möchtest nichts mehr verpassen? Dann abonniere jetzt die Eichhörnchen-Post:

Einmal im Monat erhältst du kommende Veranstaltungen, Frühbuchervorteile und faszinierendes Waldwissen direkt in dein Postfach.

Es gelten die Datenschutzbestimmungen.

Mehr zum Thema

Bild zum Blogbeitrag 'Jahr des Feuers'
Jahr des Feuers
Bild zum Blogbeitrag 'Was macht eigentlich die Feuerwanze übers Jahr?'
Was macht eigentlich die Feuerwanze übers Jahr?
Feuerlibelle-Maennchen
Was macht eigentlich die Feuerlibelle übers Jahr?
Bild zum Blogbeitrag 'Was macht eigentlich das Bärtierchen im Frühling?'
Was macht eigentlich das Bärtierchen im Frühling?
Bild zum Blogbeitrag 'Was macht eigentlich die Schwarzkiefer im Frühling?'
Was macht eigentlich die Schwarzkiefer im Frühling?
Bild zum Blogbeitrag 'Was macht eigentlich die Große Brennnessel übers Jahr?'
Was macht eigentlich die Große Brennnessel übers Jahr?
Bild zum Blogbeitrag 'Was macht eigentlich das Glühwürmchen im Sommer?'
Was macht eigentlich das Glühwürmchen im Sommer?
Bild zum Blogbeitrag 'Was macht eigentlich der Feuersalamander übers Jahr?'
Was macht eigentlich der Feuersalamander übers Jahr?
Bild zum Blogbeitrag 'Was macht eigentlich der Schwarze Kiefernprachtkäfer übers Jahr?'
Was macht eigentlich der Schwarze Kiefernprachtkäfer übers Jahr?
Bild zum Blogbeitrag 'Was ist eigentlich die Rußrindenkrankheit?'
Was ist eigentlich die Rußrindenkrankheit?
Du liest gerade...

Eine dekorative Ranke

Das könnte dich auch interessieren

Bild zum Blogbeitrag 'Was macht eigentlich der Siebenschläfer übers Jahr?'
Was macht eigentlich der Siebenschläfer übers Jahr?
Bild zum Blogbeitrag 'Was macht eigentlich das Wintergoldhähnchen im Herbst?'
Was macht eigentlich das Wintergoldhähnchen im Herbst?
Bild zum Blogbeitrag 'Was macht eigentlich die Gebänderte Prachtlibelle übers Jahr?'
Was macht eigentlich die Gebänderte Prachtlibelle übers Jahr?
Kontakt
wildwechsel@vierfaehrten.de
015776088508
Design und Umsetzung:
texteCK.de
Powered by:
processwire.com
AGB Datenschutzbestimmungen Impressum Sitemap
© 2026 Elisa Buchterkirchen / Vier Fährten