Spazierengehen und Wandern mit Kindern: 3 coole Draußen-Spiele gegen Langeweile
Das Langeweile-Monster
Das kennst du sicher auch: Ab einem bestimmten Punkt hat dein Kind einfach keine Lust mehr. Weder auf schnödes Gehen noch auf die Gespräche der Erwachsenen. Vielleicht war es von Anfang an schwer zu motivieren, mit rauszukommen, oder es hat sich unterdessen müde gerannt. Unglücklicherweise seid ihr aber noch lange nicht wieder zu Hause oder am Ziel. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Quengeln losgeht. Eine gute Idee muss her!
Das Langeweile-Monster schlägt besonders gern auf Spaziergängen und Wandertouren zu. Das liegt unter anderem daran, dass die Medien unsere Kinder ständig mit Reizen überfluten. In der Natur fehlen diese Reize plötzlich. Was Erwachsene genießen, ist für Kinder schnell furchtbar langweilig.
Ich zeige dir drei Tricks, mit denen du eure Familien-Draußenzeit in eine spannende Entdeckungstour verwandelst, damit dein Kind ganz vergisst, dass es gerade "nur" wandert.

Spannende Entdeckungen: Wer etwas genauer hinschaut, wird überall etwas Faszinierendes finden! (Foto: Vier Fährten)
Waldspiele für unterwegs, die die Aufmerksamkeit fördern
Die drei Outdoor-Spiele, die ich dir gleich vorstelle, kannst du überall im Grünen spielen. Sie machen dich und dein Kind mit der Umgebung vertraut und regen dazu an, die Natur möglichst genau zu beobachten. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn ihr öfter die gleichen Wege nehmt und du mit einem gelangweilten "Kenn ich doch schon" rechnen musst. Nutze die Spiele, um mit deinem Kind unterwegs Neues zu finden und Veränderungen zu entdecken. Sie schaffen euch eine gute gemeinsame Zeit.
Kinderspiele, bei denen auch Erwachsene dazulernen
Für die unten vorgestellten Spiele brauchst du keinerlei Vorwissen. Sie führen euch sanft an die Natur heran und laden euch ein, sie zu erforschen. Früher oder später jedoch wird jemand von euch fragen: "Was ist das?" Ab diesem Moment befindet ihr euch auf einer spannenden Abenteuerreise auf der Suche nach der Antwort!
Diese Reise wird euch zu wunderbaren, interessanten und informativen Dingen führen. Kürze sie nicht ab, nimm Umwege und lass auch dein Kind mitmachen. Nutze dabei Medien, die zu deinem Kind passen, zum Beispiel Bücher, Bestimmungskarten oder Kinderwebsites. Wenn ihr schließlich die Antwort findet, habt ihr gemeinsam einen Schatz gehoben, an den ihr euch noch lange erinnern werdet.

Waldspaziergang mit kleinen Kindern: Da können auch die Großen noch was lernen! So wie hier in der Waldgurppe "Wurzelkinder". (Foto: Vier Fährten)
Spiel 1: Spontane Tarnung, auch genannt "Spontarnung"
So gehts
Wo auch immer ihr gerade seid, du bleibst plötzlich stehen und rufst: "Spontarnung!" Anschließend hältst du dir die Augen zu und zählst laut von 10 an rückwärts. Dein Kind sucht sich blitzschnell ein Versteck, in dem es komplett unsichtbar ist.
Bei Null öffnest du die Augen und drehst dich einmal langsam um die eigene Achse. Hast du dein Kind entdeckt, beschreibst du sein Versteck und rufst es heraus. Du hast gewonnen. Siehst du jedoch nicht einmal einen Jackenzipfel hinter einem Baum hervorspitzen, rufst du: "Super versteckt – nicht entdeckt." Dein Kind hat gewonnen und darf rauskommen.
Wertet anschließend gemeinsam aus, ob das Versteck gut war und warum. Dadurch lernt dein Kind, wie es sich beim nächsten Mal noch besser unsichtbar machen kann.

Lehrreicher Moment: Hier hat sich jemand richtig gut versteckt, bloß die Jacke passt nicht. (Foto: Vier Fährten)
Darum ist "Spontane Tarnung" großartig
Dein Kind weiß nie, wann du rufen wirst. Es wird überrascht und muss sich beeilen, ein Versteck zu finden. Der plötzliche Adrenalinschub fühlt sich fantastisch an und das Verstecken ist aufregend.
Beim Countdown muss sich dein Kind blitzschnell umschauen und zielstrebig loslaufen. Dabei scannt es die Umgebung nach bestimmten Kriterien ab. Das Spiel fördert also die Beobachtungsgabe und die Fähigkeit, sich schnell zu entscheiden.
Außerdem macht Verstecken einfach immer Spaß, weil es so tief in uns verwurzelt ist. Dein Kind fühlt sich wild und frei, wenn es tatsächlich unentdeckt bleibt. Das stärkt sein Selbstvertrauen und macht es stolz, das Spiel erfolgreich gemeistert zu haben.
Upgrades und Tipps
Rege dein Kind an, beim Verstecken zu experimentieren. Hinter einem dicken Baum zu verschwinden, ist ein prima Anfang. Doch wie wäre es, sich mal auf den Bauch zu legen? Könnte es Zweige und Blätter dazu nutzen, um sich zusätzlich zu tarnen?
Passe die Zählzeit und -geschwindigkeit an das Alter deines Kindes an. Kleine Kinder zwischen 4 und 6 Jahren brauchen länger, um sich zu orientieren und zu entscheiden. Sind sie bei Null noch nicht versteckt, fühlen sie sich schnell überfordert und frustriert.
Für Kinder ab 7 Jahren kannst du den Countdown in jeder Runde reduzieren. Das fördert die Kreativität: Wo kann ich mich verstecken, wenn nur noch bis 1 gezählt wird? Ihr werdet erstaunt sein, welche Möglichkeiten es gibt!
Spiel 2: Ahorn-Memory
So gehts
Während ihr unterwegs seid, sammelst du heimlich je ein Blatt aller heimischen Ahorn-Arten: Bergahorn, Spitzahorn und Feldahorn. "Heimlich" kann auch heißen, dass du dich dabei von deinem Kind beobachten lässt, wie du versuchst, heimlich zu sein. Das ist für Kinder oft urkomisch und macht sie neugierig.
Hast du alle drei Blätter beisammen, zeigst du sie deinem Kind. Besprecht, worin sie sich unterscheiden. Seine Aufgabe ist, zu diesen Blättern einen Zwilling zu finden, wie bei einem Memory-Spiel. Dabei kommt es in erster Linie auf die äußere Form des Blattes an, nicht auf die Größe oder Farbe. Dein Kind soll sich die Blätter merken. Du gibst sie nicht aus der Hand.
Jetzt flitzt dein Kind von Baum zu Baum und überprüft, ob die Blätter in deine Sammlung passen. Dein Kind hat gewonnen, wenn es bis zur Haustür alle drei Arten beisammen hat. Falls das nicht klappt, nehmt ihr die Memory-Blätter beim nächsten Spaziergang wieder mit und das Spiel geht einfach weiter.
Darum ist "Ahorn-Memory" großartig
Ahorn-Memory ermöglicht euch einen leichten Einstieg in das Thema Bäume und lässt euch drei wichtige heimische Baumarten kennenlernen.
Weil die drei Ahorn-Arten praktisch überall wachsen, bekommt dein Kind schnell Erfolgserlebnisse. Diese stärken sein Selbstvertrauen und motivieren es, nicht aufzugeben.
Außerdem aktiviert das Spiel eure Sinne. Schaut nicht nur ganz genau hin, sondern befühlt die Blätter auch. Sind sie glatt oder rau? Wie hört es sich an, wenn die Finger darüber streichen? Duften sie nach etwas? Betrachtet alle Seiten des Blattes und auch die Länge und Farbe des Stiels. Eure Entdeckungen helfen euch dabei, die Ahorne von anderen Arten zu unterscheiden.
Upgrades und Tipps
Du kannst das Spiel mit allen möglichen Blättern spielen. Falls du die Ahorne noch nicht kennst, sammle auf eurem Spaziergang einfach drei unterschiedliche Baumblätter, ganz gleich, ob du ihre Namen weißt oder nicht.
Fallen euch Blätter von Bäumen in die Hände, deren Namen ihr nicht kennt, denkt euch beschreibende Fantasienamen aus. Wichtiger als die Namen ist es, das Blatt zielsicher an einem anderen Baum wiederzuerkennen. Findet ihr eure Blätter später in einem Bestimmungsbuch wieder, fühlt sich der Name wie eine kleine Belohnung an.
Passe das Memory-Material an die Jahreszeit an. Statt mit Blättern könnt ihr auch mit Knospen, Blüten oder Samen spielen. Das führt euch vor Augen, welche Lebensphase die Bäume gerade durchmachen.
Spiel 3: Ich höre was, was du nicht hörst – Vögel!
So gehts
Spiele mit deinem Handy den Gesang einer Kohlmeise ab, zum Beispiel über die NABU App für Gartenvögel, XenoCanto oder YouTube. Höre ihn dir mit deinem Kind genau an. Überlegt gemeinsam, woran euch das Lied erinnert und wie ihr es beschreiben würdet.
Lauscht anschließend auf eurem Spaziergang, ob ihr den Gesang in den Bäumen wiederfindet. Um das Geräusch nicht zu übertönen, zeigt mit dem Finger in die Richtung, aus der es kommt. Gewonnen hat, wer als erstes drei verschiedene Kohlmeisen gehört hat.
Seid ihr euch nicht sicher, ob es wirklich eine Kohlmeise war, spielt die Aufnahme noch einmal ab und vergleicht. Manchmal kommen die Vögel dann sogar herangehüpft, weil sie wissen wollen, wer da ihr Lied geträllert hat.

Entdeckt: Aus dieser Richtung hat ein Vogel gepiepst! (Foto: Vier Fährten)
Darum ist "Ich höre was, was du nicht hörst – Vögel!" großartig
Es ist ein wunderbar einfaches Spiel, um die Gesänge der Vögel Schritt für Schritt kennenzulernen. Ihr erfahrt, wer in eurer wilden Nachbarschaft lebt. Früher kannten viele Menschen die unterschiedlichen Vogelstimmen. Heute trifft das nur noch auf Vogelfans zu – und auf Leute wie euch, die "Ich höre was, was du nicht hörst – Vögel!" spielen.
Das Spiel ermutigt euch, auf die kleinen, feinen und leisen Geräusche der Natur zu hören, die in der Stadt oft vom allgemeinen Dröhnen der Autos, Busse und Straßenbahnen übertönt werden. Habt ihr erst einmal ein Ohr dafür entwickelt, werdet ihr feststellen, wie viele Vögel es um euch herum gibt!
Außerdem singen die Vögel nicht nur auf euren Spaziergängen, sondern auch morgens auf dem Schulweg oder abends, wenn die Bettzeit gekommen ist und das Fenster offen steht. Erkennt ihr eure Vogelstimmen dann wieder?
Upgrades und Tipps
Die Kohlmeise ist ein guter Vogel für den Anfang, denn sie hat nur zwei Töne: einen hohen und einen etwas tieferen. Allerdings ist sie äußerst kreativ darin, ihre beiden Töne zu kombinieren!
Findet eindrückliche Beschreibungen für ihren Gesang. In der Literatur wird ihre Stimme oft mit "Zi-bäh" oder "Zi-zi-bäh" beschrieben. Ich nenne sie 'quietschende Bettfeder', weil sie genauso klingt wie mein altes Kinderbett, wenn ich darauf herumgehopst bin.
Nach der rhythmischen Kohlmeise empfehle ich euch, mit der melodiösen Amsel weiterzumachen. Denn die findet ihr überall. Hört euch danach zum Beispiel den Zilpzalp an, der seinen eigenen Namen singt und die Ringeltaube, die "Das Sparschwein gib her, das Sparschwein gib her!" ruft, sowie den Hausrotschwanz mit seinem charakteristisches Kratzen mitten in der Strophe.
Ermutigung zum Rollentausch
Zum Schluss möchte ich dir empfehlen: Sei mutig und tausche bei den drei vorgestellten Spielen hin und wieder mit deinem Kind die Rollen.
Durch den Perspektivwechsel macht ihr beide wertvolle Erfahrungen: Indem dein Kind vorübergehend die Spielleitung übernimmt, übt es sich in Verantwortung. Und du darfst ungezwungen spielen und wirst dabei sicher richtig Spaß haben – ich meine, wann hast du dich das letzte Mal versteckt? Der Rollentausch stärkt euer gegenseitiges Vertrauen und schweißt euch eng zusammen.

Rollentausch: Gemeinsam etwas aus einer anderen Perspektive betrachten. (Foto: Vier Fährten)
Feel free!
Fühle dich frei, die Spiele nach Lust und Laune weiterzuentwickeln oder abzuwandeln. Betrachte sie als Inspiration, um euch auf die Natur einzulassen, eure Achtsamkeit zu fördern und euch dort zu verwurzeln, wo ihr gerade seid.
In meiner Waldgruppe und den Kinder-Workshops habe ich sie schon oft gespielt und die Erfahrung gemacht, dass die Kids verrückt danach werden. Komm doch auch mal vorbei und entdecke noch andere schöne Spiele und Aktivitäten, die du draußen machen kannst. Ich freue mich auf euch!

Beim Spielen mit den Baumkindern: Haben sie mir das richtige Blatt gebracht? Hm... (Foto: Vier Fährten)
Häufige Fragen
Welche Spiele kann man beim Spazierengehen und Wandern spielen?
Am einfachsten sind Spiele für den Kopf, wie zum Beispiel "Wer bin ich?". Dabei dürfen die Teilnehmenden nur Ja-Nein-Fragen stellen, um es herauszufinden.
Noch schöner ist es, wenn sich die Spiele auf die Umgebung beziehen, in der du mit deinem Kind gerade unterwegs bist. Damit lauft ihr an der Natur nicht vorbei, sondern nehmt sie bewusst wahr.
Im Gehen könnt ihr prima Ahorn-Memory und Ich höre was, was du nicht hörst – Vögel spielen. Für Mini-Pausen ist Spontane Tarnung perfekt.
Welche Spiele kann man draußen ohne Material spielen?
Draußen kann man prima Versteckspiele spielen, zum Beispiel Spontane Tarnung. Das geht jederzeit und fast überall. Es dauert nur 5 Minuten und ihr müsst kein Material von zu Hause mitnehmen.
Du kannst aber auch unterwegs Material zum Spielen sammeln, zum Beispiel für eine Runde Ahorn-Memory.