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Was macht eigentlich die Zwergfledermaus übers Jahr?

Was macht eigentlich die Zwergfledermaus übers Jahr?
geschrieben von
chris
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Wenn im Februar die Haselnuss ihre unscheinbaren roten Blüten öffnet und ab und zu noch Raureif über die Zweige kriecht, regen sich schon die ersten Zwergfledermäuse (Pipistrellus pipistrellus) in ihren Winterquartieren. Sie haben sich zusammengekuschelt, um gemeinsam zu überwintern. Während des Winterschlafs haben sich ihre Körpertemperatur abgesenkt und ihr Herzschlag verlangsamt. Doch je milder es draußen wird, umso wacher werden sie.

Zwergfledermaus auf Finger

Daumengroßer Winzling: Von der Nase bis zum Po erreicht die Zwergfledermaus gerade einmal 5 bis 8 Zentimeter. Im Verhältnis zum Körper hat sie riesige Arme: Ihre Flügelspannweite beträgt bis zu 25 Zentimetern! In der Natur wird sie im Durchschnitt zweieinhalb Jahre alt. Die älteste Zwergfledermaus lebte 16 Jahre. (Foto: Gilles San Martin, Wikipedia)

Spätestens im April schwingen sich die winzigen Flieger dann in die Lüfte. In den letzten Monaten haben sie etwa 30 Prozent ihres Körpergewichts verloren. Nun müssen sie ihre Fettreserven wieder aufstocken. Heißhungrig stürzen sie sich im Zickzackflug auf Mücken, Fliegen und Kleinschmetterlinge. Am liebsten jagen sie dort, wo sich die Landschaft abwechselt: an Waldrändern, Flussufern und Böschungen.

Zwergfledermaus frisst

Fliegengewicht: Eine Zwergfledermaus wiegt zwischen 3,5 und 7 Gramm. Pro Stunde fängt sie ca. 500 Insekten und kann damit in einer Nacht bis zu einem Drittel ihres eigenen Körpergewichts aufnehmen. Anders als ihre lichtscheuen Verwandten, jagd sie sogar unter Straßenlaternen. (Foto: Gilles San Martin, Wikipedia)

Da es nun wieder reichlich zu fressen gibt, ist es Zeit, sich um den Nachwuchs zu kümmern. Und das geht im Frühling ganz ohne Männchen! Denn die Weibchen haben das Sperma von der Paarung im Herbst noch in ihrem Körper gespeichert. Sobald sie einen Eisprung bekommen, können sie sich selbst befruchten.

Fliegende Fledermaus

Kleine Wanderung: Die Weibchen legen zwischen Sommer- und Winterquartier bis zu 50 Kilometer zurück. Die Männchen fangen sie im Herbst auf diesen Wanderungen ab und locken sie mit ihrem Gesang zur Paarung. (Foto: Barracuda1983, Wikipedia)

Ab Mai finden sich 50 bis 100 Weibchen in den sogenannten Wochenstuben zusammen. Sie kriechen in Spalten, Höhlen oder unter Fassaden und bringen dort im Juni und Juli ihre Jungen zur Welt. Zwergfledermausmütter bekommen im Durchschnitt ein bis zwei Babys, die sie vier Wochen lang säugen. Danach sind die Kleinen selbstständig.

Zwergfledermaus Gesicht

Spaltenbewohner und Kulturfolger: Da Zwergfledermäuse so winzig klein sind und keine Scheu vor Menschen haben, ziehen sie oft unbemerkt in alte Gebäude, Scheunen, Dachböden, zwischen Ziegel oder in Wandverschalungen ein. (Foto: Gilles San Martin, Wikipedia)

Im Spätsommer beginnt dann ein flatterndes Spektakel: Denn sobald die Jungtiere ausgewachsen sind, gehen sie auf Erkundungsflüge und fressen sich Winterspeck an. Aber nicht allein. Ihre Mütter begleiten sie und zeigen ihnen, wo sie am besten jagen und überwintern können. Besonders beeindruckend sind diese Erkundungsflüge am Marburger Landgrafenschloss zu beobachten. Bis zu 30.000 Zwergfledermäuse treffen sich dort pro Nacht, um die Gegend zu erkunden.

Marburger Landgrafenschloss

Größtes bekanntes Winterquartier in Deutschland: Das Marburger Landgrafenschloss ist mit seinen gleichmäßig kühlen und feuchten Kellergewölben für die Fledermäuse ein ideales Winterquartier. Ca. 5.000 Tiere überwintern hier jährlich.

Gefahren lauern für die Zwergfledermäuse vor allem in menschlichen Siedlungen. Denn da sie sehr heimliche Untermieter sind, werden sie bei Gebäudesanierungen, Versiegelungen oder Abrissen oft übersehen. Auch Windrädern fallen sie zum Opfer. Ebenso sind Insektizide für sie gefährlich, da sie sich mit kontaminierten Insekten vergiften können. Zu ihren natürlichen Feinden zählen Marder und Eulen.

Zwergfledermaus Baby

Gut beschützt: Obwohl die Zwergfledermaus die häufigste Fledermausart in Deutschland und auf der Roten Liste als ungefährdet geführt ist, wird sie durch die FFH-Richtlinien streng geschützt. (Foto: Mnolf, Wikipedia).

Übrigens: Die Zwergfledermaus hat eine sehr nahe Verwandte: die Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus). Diese ist sogar noch kleiner als die Zwergfledermaus und darf sich deshalb damit rühmen, die kleinste Fledermausart in ganz Europa zu sein. Da die beiden sich so ähnlich sind, wurde sie erst in den 1990er-Jahren als eigene Art erkannt. Zu unterscheiden ist sie hauptsächlich an ihrem Ruf, der etwas höher klingt, als der der Zwergfledermaus. Außerdem bevorzugt sie naturnahe Auwälder und gewässerreiche Laubwälder, obwohl sie sich auch in menschlichen Siedlungen wohlfühlt.

Mückenfledermaus

Mückenfledermaus: Genau wie die Zwergfledermaus hat sie einen rotbraunen Rücken und ein gräuliches Bäuchlein. Ohren, Augen und Nase sind schwarz, ebenso wie die Flügel. (Foto: Evgeniy Yakhontov, Wikipedia)

Zum Weiterforschen:

  • Pipistrellus pipistrellus - Zwergfledermaus, Bundesamt für Naturschutz
  • Zwergfledermaus, Wikipedia
  • Zwergfledermäuse in Marburg - Größtes bekanntes Winterquartier in Deutschland, Marburg. Die Universitätsstadt
  • Winteraktivität von Zwergfledermäusen, Fledermausschutz.de
  • NABU-Fledermaustelefon und FAQs, NABU Deutschland
  • Fledermäuse verstehen und schützen, NABU Marburg
  • Schlafen, bis der Frühling kommt. Das Jahr im Leben einer Fledermaus, NABU Deutschland BATyear
  • Zwergfledermaus und Mückenfledermaus. Kleiner als eine Streichholzschachtel, NABU Deutschland
  • Pipistrellus pipistrellus (Schreber, 1774), Rote Liste Zentrum
  • Pipistrellus pygmaeus - Mückenfledermaus, Bundesamt für Naturschutz
  • Heimische Fledermausarten im Porträt. Die 25 Schönen der Nacht auf einen Blick, NABU Deutschland
  • Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) – Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen, Bundesamt für Naturschutz

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