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Was macht eigentlich die Schwanzmeise übers Jahr?

Was macht eigentlich die Schwanzmeise übers Jahr?
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Elisa

Kuschelnd durch den Winter

Wenn der Winter anbricht, schließen sich Schwanzmeisen (Aegithalos caudatus) zusammen. Als Trupp von etwa 30 Vögeln ziehen sie gemeinsam in ihrem Revier umher. Dabei geben sie permanent kurze, hohe Zirplaute von sich. So versichern sie sich gegenseitig, dass alle noch da sind und alles in Ordnung ist.

Nachts suchen sie sich einen gemeinsamen Zweig zum Schlafen. Wer neben wem sitzt und in welche Richtung guckt, wird jeden Abend neu verhandelt. Die ranghöchsten Vögel hocken in der Mitte. Fängt einer an zu stänkern, löst sich die Sitzordnung auf und wird neu zusammengestellt. Dieser Prozess kann bis zu einer halben Stunde dauern. Es ist wichtig, dass sich alle an ihrem Platz wohlfühlen. Denn für die Nacht rücken sie eng zusammen, um der Kälte zu trotzen.

Schwanzmeise auf Zweig

Gemeinsam gegen die Gefahr: Im Winter kuscheln Schwanzmeisen nachts miteinander, obwohl sie normalerweise mehr Abstand zu ihren Artgenossen bevorzugen. Doch wer nur 7 bis 9 Gramm wiegt, kann einer eisigen Nacht schnell zum Opfer fallen. Daher ist es besser, über seinen Schatten zu springen und sich von den anderen wärmen zu lassen. (Foto: David Friel auf Wikipedia)

Am nächsten Morgen verlässt der Trupp seine Sitzordnung und macht sich auf Nahrungssuche. Im tiefen Winter verbringen Schwanzmeisen fast ihre ganze Zeit damit, nach winzigen Insekten und Spinnentieren zu picken, die an den äußersten Zweigspitzen sitzen. Dank ihres besonderen Körperbaus konnten sie sich auf diese Nische spezialisieren: Sie können mit ihren langen Schwanzfedern ausgezeichnet balancieren und mit ihrem winzigen Schnabel die kleinsten Tierchen erwischen. Wo andere Vögel vom Zweig rutschen, finden die federleichten Schwanzmeisen verlässlich Beute.

Schwanzmeise frisst

Zweigakrobaten und Opportunisten: Neben winzigen Insekten und Spinnen fressen Schwanzmeisen auch kleinste Gliedertierchen, Larven, Eier, Blattläuse und Schildläuse, seltener Sämereien. Trotzdem kommen sie hin und wieder auch ans Futterhäuschen und holen sich Fett, Nussstückchen und Brotkrumen. (Foto: Hans Benn auf Pixabay)

Kunstvolles Kugelnest

Zwischen Januar und März wechseln die Weibchen hin und wieder den Trupp, denn in dieser Zeit finden sich die Brutpaare zusammen. Je nach Witterung setzten sich die frisch Verliebten immer wieder von der Gruppe ab und beanspruchen innerhalb ihres gemeinsamen Reviers ein eigenes Brutrevier.

Spätestens Mitte März bauen sie gemeinsam ihr kunstvolles Nest. In mindestens 1,5 Metern Höhe klemmen sie es auf Laubbäumen in Astgabeln oder flechten es in Nadelbäumen an äußere Zweige. Das Nest ist eine weiche und dehnbare Kugel aus Moos, Flechten, Spinnweben, Haaren und Federn. Manche Schwanzmeisen machen es sogar an der Außenseite mit Birkenrinde wetterfest. Innen wird alles dicht mit Federn ausgepolstert. Der Nestbau kann schon einmal drei bis vier Wochen beanspruchen.

Schwanzmeise am Nest

Familienplatz: Sobald das Paar mit dem Nestbau beginnt, vertreibt es immer vehementer Artgenossen aus seinem Brutrevier. Schwanzmeisen lieben Wälder, Hecken und Gehölze, in denen sie sich und ihre Jungen gut im Dickicht verstecken können. (Foto: Sarah Toziegel auf Wikipedia)

Patchwork-Familien und fleißige Helferlein

Spätestens Ende April legt das Weibchen acht bis zwölf Eier, immer eins pro Tag, und bebrütet den Nachwuchs. Währenddessen schafft das Männchen Futter herbei. Nach etwa zwei Wochen schlüpfen die Jungen.

Nun fliegen beide Eltern aus, um Nahrung zu suchen. Für gewöhnlich sammeln sie die gleichen Tierchen wie im Winter, ergänzen den bunten Teller aber auch gerne mit Raupen von Nachtfaltern. In dieser Zeit kommt es häufig vor, dass ein Paar Unterstützung von zwei weiteren Schwanzmeisen bekommt. Sie kümmern sich dann gemeinsam um den Nachwuchs. Manchmal schließen sich sogar zwei Familien mit Helfern zusammen – Schwanzmeisen wissen eben, dass gemeinsam alles viel leichter von der Kralle geht.

Junge Schwanzmeisen

Großfamilie: Die Jungvögel kommen nackt und blind zur Welt. Sie bleiben etwa zwei Wochen im Nest. Nachdem sie ausgeflogen sind, werden sie noch weitere zehn Tage von den Eltern gefüttert, bevor sie selbstständig sind. Da viele Altvögel bei der Aufzucht helfen, sind zehn Küken keine Seltenheit. (Foto: Pixabay)

Für gewöhnlich brüten Schwanzmeisen nur einmal im Jahr, sehr selten ein zweites Mal. Die Kleinen werden bis zu 15 Zentimeter groß und erreichen bis zu 3 Lebensjahre. Nach einem Jahr sind die geschlechtsreif und können eine eigene Familie gründen.

Übrigens: Schwanzmeisen kommen in ganz Europa vor – außer auf Island. Doch sie sehen nicht überall gleich aus! Ihre Kopfzeichnung variiert je nach Lebensraum. In Süd- und Westeuropa kommen vor allem die "typischen" Schwanzmeisen vor, die einen gestreiften Kopf haben (Aegithalos caudatus europaeus). In Nord- und Osteuropa leben Schwanzmeisen mit einem schneeweißen Kopf, ganz ohne Streifen (Aegithalos caudatus caudatus). Bei uns in Mitteleuropa vermischen sie sich miteinander und haben mal gestreifte, mal graue, mal weiß-grau-gescheckte und mal vollkommen weiße Köpfchen.

Weißköpfige Schwanzmeise

Weiße Variante: Unabhängig der Kopffarbe lassen sich Schwanzmeisen immer an ihren Körperproportionen erkennen: Sie haben einen rundlichen Körper mit sehr langen Schwanzfedern. Tatsächlich ist das Verhältnis von Körperlänge zu Schwanzfedern ziemlich genau 1 zu 1. (Foto: Alastair Rae auf Wikipedia)

Zum Weiterlesen:

  • Hume, Rob: Vögel in Europa, München 2010
  • Castell, Peter und Harrison, Colin: Jungvögel, Eier und Nester der Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens, Wiebelsheim 2004
  • Schwanzmeise. Aegithalos caudatus, NABU
  • Schwanzmeise, Wikipedia
  • Individualdistanz, Wikipedia
  • Unnützes Wissen über Schwanzmeisen, Kalle Nibbenhagen auf YouTube
  • Berthold, Peter und Mohr, Gabriele: Vögel füttern – aber richtig, Stuttgart 2017

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