Was macht eigentlich der Waschbär übers Jahr?
Rückzug im Winter
Wenn die Temperaturen im Winter fallen, zieht sich der Waschbär in alte Fuchsbauten, in Baumhöhlen oder in Schlupflöcher in menschlichen Siedlungen zurück. Dort hält er Winterruhe. Anders als beim Winterschlaf schlummert er nicht bis zum Frühling durch, sondern wacht an milderen Tagen auf und geht auf Futtersuche.

Winterruhe: Während der Ruhephase verlangsamt sich zwar der Stoffwechsel, jedoch sinkt die Körpertemperatur nicht ab. (Foto: pearly-peach auf Pixabay)
Neugieriger Allesfresser
Auf seiner Speisekarte steht alles, was ihm in die Pfoten fällt: kleine Fische, Krebse, Frösche, Eidechsen, Salamander oder Mäuse. Er sammelt auch Nüsse und Obst oder sucht in Mülltonnen nach Essensresten. Gern bedient er sich auch an Vogel- und Katzenfutter. Bevor er jedoch etwas in die Schnauze steckt, betastet er es ausgiebig mit den Vorderpfoten. Denn sein Sehsinn ist wie bei allen nachtaktiven Tieren weniger stark ausgeprägt. Er verlässt sich lieber auf seine Nase und seine Pfoten.

Ausgeprägter Tastsinn: Waschbären sind sehr neugierig und untersuchen alles ganz genau. Wenn im Wasser die Pfoten aufquellen, fühlen sie sogar noch intensiver. (Foto: Manuel-H auf Pixabay)
Paarungszeit und Jungtiere
So richtig aktiv wird der Waschbär erst wieder, wenn der Frühling anbricht. Denn zwischen Januar und März ist Paarungszeit. Dann streifen die Männchen umher, um sich mit mehreren Weibchen zu paaren. Die Weibchen dagegen entscheiden sich nur für ein einziges Männchen.

Typisch Waschbär: Über den Augen tragen sie ein schwarzes Band mit weißem Absatz. Der buschige Schwanz ist schwarz-grau geringelt und endet wie eine Pinselspitze. Beim Laufen ist der Rücken hoch und rund, die Beine wirken überraschend lang. Waschbären sind hervorragende Kletterer. (Foto: PublicDomainImages auf Pixabay)
Zwischen März und Mai bringt das Weibchen drei bis fünf Junge zur Welt. In der Anfangszeit vermeidet die Mutter Kontakt zu anderen Waschbären, denn bis auf den Vater reagieren männliche Waschbären aggressiv auf den Nachwuchs. Erst wenn die Jungen größer sind und sich schon verteidigen können, sucht die Waschbärin wieder nach Gesellschaft.

Gesellige Tierchen: Waschbären treffen sich an Futterplätzen, um gemeinsam zu spielen und zu schlafen. Verwandte Weibchen teilen sich oft Reviere und nicht verwandte Männchen schließen sich zu lockeren Gruppen zusammen. Da sie nachtaktiv sind, kann man sie oft in der Dämmerung beobachten. (Foto: Pixabay)
Lebenserwartung und Verbreitung
Obwohl Waschbären bis zu 20 Jahre alt werden können, leben sie im Durchschnitt nur 2 bis 3 Jahre. Die meisten von ihnen erfrieren in ihrem ersten Winter oder werden überfahren oder erschossen.
Nichtsdestoweniger breiten sich die Waschbären in Europa kontinuierlich aus. 1934 setzte Forstmeister Wilhelm Freiherr Sittich von Berlepsch zwei Waschbärpärchen am Edersee in Hessen aus. Dazu kamen ausgebüxte Tiere aus Pelztierfarmen, sodass es genügend Tiere gab, um den Genpool gesund zu halten. Seitdem erobern sie den Kontinent. Ihre ursprüngliche Heimat ist Nordamerika.

Natürliche Feinde: Junge Waschbären werden gern von Uhus erlegt. (Foto: RBCKPICTURES auf Pixabay)
Übrigens
Da der Waschbär besonders gern am Wasser jagt, sieht es so aus, als würde er seine Nahrung waschen. Das beobachteten bereits die Algonkin-Ureinwohner in Kanada, die den maskierten Schlawiner deshalb ahrah-koon-em nannten, der mit seinen Händen reibt, schrubbt und kratzt. Das englische Wort raccoon leitet sich davon ab, und im deutschen haben wir die Bedeutung übernommen.
Als die Europäer den Waschbären das erste Mal entdeckten, waren sie sich nicht sicher, zu welcher Tierfamilie er gehört, und ordneten ihn zunächst den Hunden zu. Deshalb gaben sie ihm den lateinischen Namen Procyon lotor, in Anlehnung an den Stern Procyon aus dem Sternbild Kleiner Hund. Heute wissen wir, dass der Waschbär zu den Kleinbären gehört.
Häufige Fragen zum Waschbären
Hält der Waschbär Winterschlaf oder Winterruhe?
Winterschlaf bedeutet, dass ein Tier den ganzen Winter über schläft. Kurze Wachphasen können vorkommen, um Urin und Kot abzugeben. Typische Winterschläfer sind zum Beispiel der Igel oder der Siebenschläfer.
Winterruhe dagegen bedeutet, dass ein Tier zwar die meiste Zeit schläft, aber hin und wieder aufwacht und auf Nahrungssuche geht. Winterruhe halten zum Beispiel das Eichhörnchen und auch der Waschbär.
Ab wann hält der Waschbär Winterruhe?
Wann genau ein Tier in die Winterruhe geht, hängt von verschiedenen Faktoren ab und ist noch nicht vollständig erforscht. Kürzere Tage und eine hormonelle Umstellung spielen dabei eine Rolle, weniger die Temperatur.
Zwischen November und Januar ziehen sich Waschbären zurück. Manchmal wachen sie hungrig auf. Dann kannst du sie auch in den Wintermonaten auf Nahrungssuche beobachten.
Wann ist der Waschbär aktiv?
Waschbären sind grundsätzlich nachtaktiv.
Übers Jahr gesehen, ist der Waschbär zwischen Januar und März sehr umtriebig, denn dann ist Paarungszeit.
Sind die Jungen da, siehst du Waschbär-Muttis mit den Kleinen auch hin und wieder am Tag.
Im Sommer flitzen auch richtige "Waschbären-Gangs" durch die Gegend, in denen sich Einjährige locker zusammengeschlossen haben. Sie sind wild in der Gruppe unterwegs, rennen über Straßen und Wiesen, wuseln mal eben an Bäumen rauf und runter und sind im nächsten Moment schon wieder weg. Es ist ein richtiges kleines Spektakel. Von Menschen halten sie sich allerdings fern.
Zu welcher Tages- und Nachtzeit sind Waschbären am aktivsten?
Am aktivsten sind die frechen Bären in den frühen Abendstunden, während der Dämmerung und in der ersten Nachthälfte.
Wo halten sich Waschbären am Tag auf?
Am Tag verstecken sich Waschbären in Baumhöhlen und zwischen Wurzeln. Manche ziehen sich auch auf Dachböden und Dächer zurück, sofern sie eine Nische finden, in die sie kriechen können.
Wie lange leben Waschbären?
In der freien Natur leben Waschbären 2 bis 3 Jahre. In Gefangenschaft können sie dagegen bis zu 20 Jahre alt werden.
Warum heißt der Waschbär Waschbär?
Die Bezeichnung Waschbär geht auf ihr Verhalten zurück: Waschbären betasten ihre Nahrung ausgiebig mit den Pfoten, bevor sie sie fressen. Häufig halten sie die Nahrung dabei ins Wasser. Denn genau wie unsere Hände quellen Waschbärpfötchen im Wasser etwas auf. Dadurch fühlen sie noch intensiver. Es sieht also so aus, als ob sie ihre Nahrung waschen würden.
Übrigens: Das englische Wort für Waschbär, raccoon, leitet sich von einem Wort der Algonkin-Ureinwohner Kanadas ab. Ahrah-koon-em bedeutet: Der mit seinen Händen reibt, schrubbt und kratzt.
Wie sieht die Fährte eines Waschbären im Schnee aus?
Im Schnee oder Schlamm hinterlässt der Waschbär sehr eindeutige Fußabdrücke. Die Vorderpfoten sehen aus wie kleine Hände mit weit gespreizten Fingern. Die Hinterpfoten erinnern an kleine Menschenfüße mit langen Zehen. Beim Gehen überlappen sich die beiden Abdrücke manchmal.
Sind Waschbären gefährlich?
Waschbären sind Wildtiere und haben eine natürliche Scheu vor uns Menschen, aber nicht vor den Orten, an denen wir leben. Deshalb kommen sie oft in unsere Gärten und zu unseren Mülleimern, weil sie dort immer etwas zu fressen finden.
Füttere einen Waschbären niemals und versuche auch nicht, ihn mit Leckereien anzulocken. Sobald ein Tier begriffen hat, dass es von einem Menschen Futter bekommt, verliert es seine natürliche Scheu. Es wird aufdringlich und geht aktiv auf Menschen zu. Diese Begegnungen führen häufig zu Verletzungen auf beiden Seiten. Oft bleibt nichts anderes übrig, als diese Tiere gezielt abzuschießen, um die Gefahr zu beseitigen.
Sind Waschbären meldepflichtig?
Wenn du einen Waschbären entdeckst, musst du das nicht melden.
Bemerkst du jedoch einen Waschbären, der sich seltsam verhält und seine Scheu verloren zu haben scheint, halte Abstand. Möglicherweise ist er an Staupe erkrankt. In diesem Fall solltest du den Stadtforst oder die Polizei informieren.
Mehr zu Staupe bei Waschbären, wie du infizierte Tiere erkennst und was du dann tun solltest, findest du in meinem Blogbeitrag Tierkrankheit Staupe im Leipziger Auwald.
Zum Weiterforschen:
- Procyon lotor. Waschbär, SWR Kindernetz
- Der Waschbär. Eingebürgerter Nachbar auf dem Vormarsch, NABU Deutschland
- Waschbär, Tierchenwelt
- Waschbär, Wikipedia
- Algonkin, Wikipedia
- Kleinbären, Wikipedia
- Kleiner Hund (Sternbild), Astronomiekiste