Was macht eigentlich die Feuerlibelle übers Jahr?
Erfolgreich eingewandert
Winter, Kälte oder gar Frost mag die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) ganz und gar nicht. Im Gegenteil, sie liebt die Sonne und die Hitze. "Je wärmer, desto besser" könnte ihr Motto lauten. Ursprünglich war sie nur in Südeuropa, Afrika und Vorderasien verbreitet, doch seit etwa 40 Jahren ist sie Richtung Norden auf dem Vormarsch. Durch die Klimaerwärmung und die immer milderen Winter konnte sie nördlich der Alpen Fuß fassen. In den 1990er-Jahren eroberte sie Süddeutschland, seit 2007 ist sie sogar in Schleswig-Holstein zu Hause. Da sie so stark vom Klimawandel profitiert und ihn gleichzeitig sichtbar macht, ernannte sie der Bund für Umwelt und Naturschutz zusammen mit der Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen zur Libelle des Jahres 2011. Mit ihr begann die jährliche Auszeichnungsreihe.

Neue heimische Art: Eigentlich ist die Feuerlibelle eine Wanderlibelle. Bis in die 1990er-Jahre überquerte sie die Alpen nur im Sommer, um sich fortzupflanzen und legte dabei Strecken von bis zu 1.000 Kilometer zurück. Mittlerweile bleibt sie einfach in Mitteleuropa. (Foto: Erik Karits auf Pixabay)
An Tümpeln und Teichen
Die Feuerlibelle liebt kleine, saubere Gewässer, die lange und häufig von der Sonne beschienen werden. In Tümpeln, Teichen, Sand- und Kiesgruben und manchmal auch in langsam fließenden Bächen erwärmt sich das Wasser schnell und andauernd – für die Feuerlibelle eine perfekte Kinderstube. Denn auch ihre Larven mögen es muckelig warm. Die urigen Räuber flitzen durchs Wasserpflanzengestrüpp und schwimmen in maximal 50 Zentimetern Tiefe herum. Sie jagen nach Kleinstlebewesen und streifen von Zeit zu Zeit ihre Haut ab, wenn sie wieder etwas gewachsen sind. Bei uns in Deutschland überwintern die Kleinen in den Gewässern.
Im Mai krabbeln die etwa zwei Zentimeter großen Larven dann an Pflanzenstängeln empor, um sich ein letztes Mal zu häuten. Die Männchen der Feuerlibelle sind nach dem Schlupf noch blass gefärbt. Von einem Goldorange dunkeln sie innerhalb von zwei Wochen zu ihrem namensgebenden Feuerrot nach. Die Weibchen dagegen sehen ihr ganzes Leben lang aus wie die jungen Männchen, wobei sie zwischen Gold, Braun, Bronze und Silbern variieren können. Nur sehr selten nehmen auch die Weibchen einen dunkelroten, jedoch nicht feuerroten Farbton an.

Männchen: Die männlichen Feuerlibellen sind komplett feuerrot, sogar ihre Augen und Beine. Beim zweiten Flügelpaar tragen sie am Körper die sogenannten Basalflecken, an den Flügelspitzen schmale bräunliche Male. (Foto: Erik Karits auf Pixabay)
Ruppige Paarung
Ausgewachsen verbringt die Feuerlibelle nur etwa zwei Monate an Land. In dieser Zeit muss sie sich fortpflanzen. Dafür patrouillieren die Männchen an ihren Gewässern hin und her und halten nach den goldschimmernden Weibchen Ausschau. Haben sie eines entdeckt, fliegen sie zielstrebig hin, packen es am Hinterkopf und schleifen es fort, damit andere Männchen es ihnen nicht wegschnappen – was durchaus passiert! Die Paarung an sich dauert nur wenige Sekunden und wird gleich im Flug erledigt. Weil diese Behandlung für die Weibchen äußerst unangenehm ist, fliegen sie nur selten ans Wasser, vor allem wenn gerade viele Männchen anwesend sind. Hier kommt den seltenen rötlichen Weibchen ihre Farbe zugute: Die Männchen verwechseln sie mit ihresgleichen und lassen sie öfter in Ruhe. Daher haben sie ein insgesamt entspannteres Landleben.

Weibchen: Die Weibchen sind golden, braun, bronzen, silbrig oder orange gefärbt. An ihrem Hinterleib ist ein winziger Legebohrer zu sehen, mit dem sie die Eier im Wasser an Algen oder Ähnlichem abstreifen. Bei anderen Libellenarten ist der Legebohrer nicht zu sehen. (Foto: Marc Pascual auf Pixabay)
Die nächste Generation
Nach der Paarung beginnt das Weibchen, die Eier ins Wasser abzulegen. Doch es muss auf der Hut sein. Denn wird es dabei von den Männchen beobachtet, schwirren diese sofort wieder herbei und bedrängen es erneut. Bis zu fünfmal wird ein Weibchen im Laufe des Sommers begattet, bis es alle 1.500 Eier gelegt hat.
Zwischen Mai und Juli sind Feuerlibellen besonders aktiv. Die letzten fliegen noch bis Anfang Oktober. Dann stirbt ihre Generation.

Ruheplatz: Nachts ziehen sich Feuerlibellen in Gebüsche oder hohe Wiesen zurück. Sie schlafen gut geschützt an Halmen und Zweigen. (Foto, hier ein rötliches Weibchen: Andreas Eichler auf Wikipedia)
Im Wasser jedoch entwickeln sich bereits die neuen Larven. Bei uns in Deutschland dauert ein Libellenlarvenleben etwa ein Jahr. In südlicher gelegenen Regionen geht es wesentlich schneller. Je wärmer das Wasser ist, umso flotter verläuft ihre die Entwicklung. Deshalb sind in Südeuropa und anderen sehr warmen Regionen sogar zwei Generationen pro Jahr häufig.
Übrigens: Die Feuerlibelle ist hierzulande leicht mit den verschiedenen Unterarten der Heidelibellen zu verwechseln. Feuerlibellen sind jedoch sehr groß: etwa 3,5 bis 4,5 Zentimeter, mit einer Flügelspannweite von bis zu 6,6 Zentimetern. Außerdem haben sie einen relativ massigen und breiten Hinterleib. Heidelibellen dagegen sind etwas kleiner und eher schlank und schmal gebaut. Außerdem unterscheiden sie sich ein wenig in der Farbgebung. Während die männlichen Feuerlibellen komplett rot sind, haben männliche Heidelibellen meist schwarze Beine, Augen oder dunkle Flecken auf dem Hinterleib. Die Weibchen der beiden Arten sind wesentlich schwieriger voneinander zu unterscheiden.

Glücksfall: Diese männliche Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum) ist durch ihre vier klar abgesetzten Bänder auf den Flügeln gut von der Feuerlibelle zu unterscheiden. Außerdem sind ihre Flügelmale rosa und nicht rotorange. Die Weibchen tragen ebenfalls Bänder, sind jedoch ocker bis braun gefärbt. (Foto: Quartl auf Wikipedia)
Zum Weiterlesen:
- Bellmann, Heiko und Wilker, Lars: Der Kosmos Insektenführer, Stuttgart 2025
- Bellmann, Heiko: Welches Insekt ist das? Stuttgart 2014
- Feuerlibelle (Crocothemis erythraea): Steckbrief , BUND Naturschutz in Bayern e. V.
- Feuerlibelle erreicht Schleswig-Holstein. Libellen als Boten des Klimawandels, NABU Schleswig-Holstein
- Feuerlibelle. (Crocothemis erythraea), Libellen.TV
- Aktuelles, Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen e. V.
- Feuerlibelle. Crocothemis erythraea. BRULLÉ, 1832. Libelle des Jahres 2011 , Waldschrat Online
- Feuerlibelle, Wikipedia
- Fortpflanzungsverhalten der Feuerlibelle / Reproductive behaviour of the scarlet dragonfly, YouTube
- Heidelibellen, Wikipedia
- Gebänderte Heidelibelle, Wikipedia